Auf und nieder
trainiert die Muskulatur und den Kreislauf. Mit Meilen to go und Fahrtwind natürlich noch besser. Mit nur zwei Zahnradbahnen kann in Tutti Stutti nicht viel erreicht werden - daher muss jede selber sehen, wie sie vom Fleck bzw. auf den Berg kommt, der nächste ist nah, immer.
Jedenfalls ist es möglich, das berufliche und private Tagespensum mit den Fahrrad zu schaffen, nach einigem Training fehlt das Keuchen an Abgas sogar, also Ersteres jedenfalls. Oben angekommen beschränkter aber Ausblick, Hineinblick in eine, zwei Talwellen. Herunter kann man wählen zwischen blauer, roter und schwarzer Piste, teils mit Abenteuerzulage: Bahngleise für die Schienenfahrzeuge genannt U- (Straßen-) und S- (U-)Bahn. Gleise auf den interaktiv kreuzenden Straßen IMMER so verlegt, dass der Radfahrer im spitzen Winkel kreuzen muss 15-20°, sonst: Hupe von hinten.
Einmal flach gekreuzt sofort Fresse, poliert, weil weggerutscht. Bergauf und Zeitlupe, Sundowner. Trotzdem. Unnötig. War bei Regen, also eher Raindrowner, und nur lecker Schlammschmott der Stuttgart0-8-15 bis 21-BaustellenKolonnenAushubAbtransport-LKW auf Matschhose und JägermeisterCape von irgendeinem Festival (Fundstück von West-Wühl-Kiste by the way (am Wegesrand). Kein Blut. Keine Blessur. (Schlimmer die Rippenprellung im Nacht-ICE von Berlin zurück in die schwäbische Metropole beim Rückwärtsfahren, Aufstehen im Halbschlaf , blaulichtbeleuchteter Schwindel und dann: Zugschlingern durch die Ostblockweichen, Standortverlust und Brettumfall Marke: ´rückwärts rücklinks´ auf Armlehne am Fenster, mit der Rippe zuerst. Unnachahmlich, still und spektakulär. Fahrgastrechte!)
Jedenfalls sind diese Pisten ein Spaß (keine für die Bremsen, keiner für die folgenden Autos) aber Gas ohne Abgas, die Räder rasen ins Tal. Wer bremst verliert den drohenden Tod.
Jeder Abend Wellness pur: die Nordbahnhof-Route. Paar hundert Meter durch die Döner-Sportsbar-Alki-Meile, dann: breite Fläche zwischen blau und über rot (Ampel), Genussfahren in die Stuttgarter Lichterkulisse, entweder letzte Sonne oder SEW, wirklich energetisches Spektakel. Und im Vordergrund die Pendlerstrecke Stuttgart HBF. Freie Fläche, wer´s glaubt darf. Fly, no lie. Aber dann: Einfädeln mit vollem Tempo in Nadelöhr schwäbischer FussRad UbahnPassantenWeg. Todesmutig: eng umgittert und gefährlich zugestellt von Schildern, genau in der Einfahrtschneise. Parkende E Roller, oje. Adlerblick vonnöten und Schutzengel auch.
Höhen und Tiefen verschlungene Wege, verschwurbelte Aufstiege, Abwege, Sackgassen. Meterhohe Steinwandfassaden, ObenHerobenHerrgottsHerrscherhäuser, nahe am Abgrund. Heraufragen, herablassen, beschwerliche Treppen, Treffen, steile Zuwegung, nicht geschenkt möchte man Umzugshelferle sein, allenfalls zum Vespern auf halber Strecke laden sie ein diese Treppen zum Eigenheim. Stärkung wird auch gebraucht in Stuttgart. Schonungslos anstrengend diese saubergefegten Pflaster.
Zu Fuß kann man sich leicht verirren und im Seitental landen, aus Versehen. Befremdlich, fremd, auch schön. Selbst von ganz oben hat man ihn nie, den Gesamtüberblick. Aber Ahnungen. gute und schlechte. Zu Not per ÖPNV nach Hause. Für 5 Euro gibt´s das Tagesticket, 2 große Zonen lang. Super! Das Rad fährt mit und schont sich auch.
Gehirn
Wir alle haben eins. Stuttgart auch.
Sich darin zurechtzufinden ist eine Meisterschaft, die im Laufe eines langen Lebens Stück für Stück eingeübt und verfeinert wird, aber nie vollendet ist, u.a. wegen all dieser Baustellen, Bagger, die einmal Vertrautes und Bekanntes sofort wieder wegreißen. (Mongolische Wurzeln etwa? Gut möglich! Der alte Chinngis (Dsching-Dsching-Dschinggis Khan) war sicher als junger Mann auch mal da und hat nicht nur ein paar Stuten zurückgelassen. Also: Mongolen: auch dort wird jeder Einkaufsmarkt sofort grundlegend umstrukturiert, sobald Kunde zuverlässig weiß, wo die gewünschten Artikel gelagert sind. Ein letztes Überbleibsel des Nomadischen und gleichermaßen staatliche Bildungspolitik, ein niedrigschwelliges Programm des Lebenslangen Lernens. So werden Gehirne der Gesellschaft im Alltag trainiert. Allerdings werden bei diesen Waren-Versteckspielen in der Mongolei die Verfallsdaten der Waren nicht kontrolliert sondern alles abgelaufene Zeugs wird mit umgeräumt. Prioritäten sind eben verschieden.)
Gehirn, ja wo isses denn nun. Das von Stuttgart.
Man stelle sich vor, ein Riesenschwabe wandelt durch seine heimatliche Welt und will einen Gründungsplatz für Stuttgart finden und festlegen. Damit ist er schwer beschäftigt, er sucht und sucht und schaut über sein schwäbisches Land. Überall ist es ja schön. Wo aber ist es am Schönsten? Diese komplexe Frage in seinem großen schweren Schädel wälzend, bekommt er großen Durst in seiner sonnigen Höhe. Unten glitzert der Neckar, nebendran steht schon Bad Cannstatt. Das Wasser lädt zum Trinken ein und er will sich bücken um sich daran zu laben. Unversehens stolpert er, und saust aus seiner Riesenhöhe in die Abgrundtiefe, mit seinem gedankenschweren Schädel voran in die noch unbehauste Fläche, er donnert auf die Erde auf und rummst mit dem dicken Kopf in den Boden. Bumm. Welch eine Erschütterung.
Leider bricht sein Schädel dabei entzwei und was bleibt, ist die Form seiner Gehirnschale mit all den Windungen, Irrungen-Wirrungen, Pfaden und Denkbändern, die heute die topografische Grundlage für Stuttgart sind.
Sein Arm fällt noch matt herab, durch den gesamten Schloßgarten und Rosensteinpark hindurch bis hin zum Leuze, um dort mit der Hand noch darauf zu zeigen, auf das schöne klare blaue Wasser, das er nicht mehr erreichen durfte in seinem Leben.
Da, in seinem Gehirn (Denkmal! Gedenkstätte!) siedelten sich fortan alle Stuttgarter Siedler an und bauten von oben nach unten ihre Hütten und Paläste, gaben die dröge, mühsame Landwirtschaft auf und ackerten lieber dicht an dicht an ihren Eigenheimen und den Gärtles und gruben wohl auch untendrunter weiter, so manche Bunker und Bergwerke und Grotten sind sicherlich vorhanden - als Weinkeller getarnte Schatzkäschtle voller glitzernder Diamanten und seien´s nur die edlen Tröpfe der Reben, die solche Begehrlichkeiten erfinden lassen. In einer Gehirnschale kommt eine ja leicht auf fantastische Gedanken. Der Schwabe mit seinem eigenen schwäbischen Hirn kommt gut zurecht, für die Zugereisten bleibt dieses Hirn jedoch immer fremd. Den Gedankengebilden, Gedankengängen folgen ist ein abenteuerliches Unterfangen, nie erreicht man sein geschweige denn ein Ziel ohne das eigene vorher komplett auf links zu krempeln oder es vorher im Bahnhofsschließfach zu deponieren.
Solcherart befreit und schwerelos-ahistorisch kann man sich Tags wie nachts munter und mutig subkulturell durchwühlen, durch all diese Turbulenzen. Wie ein Kosmonaut floatend durch all die Einblicke und Ausblicke, Einsichten Aussichten, Windungen Rundungen und Spitzkehren auch. Am Ende jedoch immer die Frage, wie komme ich bloß wieder nach Hause?
Die historisch bedeutsamere Frage lautet: worüber ist der arme Kerl bloß gestolpert?
Kompliment
Im Café: Ich dachte du bist eine Vagabundin.
Das wäre schön.
Vertan
Die Kuppel über Stuttgart - ich glaube, es ist in Frankfurz. Aber die Resie begann im Stuttgart. Und da war es auch noch dunkel.
Kurz mal checken, Stuttgart Bahnhof bei Tag: Keine Kuppel. Klarer Fall von Flachdach.
Damit man sofort sieht, wer das Sagen hat.